Login
Home
Die Band
Christian
Marko
Sebastian
Steffen
Fotos
Audio und Video
Events
Die Setliste
Stories
Kontakt
Gästebuch
Umfrage
Schreib uns ...



Home arrow Stories arrow Die Fahrt zum Kernschatten

Die Fahrt zum Kernschatten
Geschrieben von Christian   
Samstag, 18 März 2006
Eigentlich keine richtige Bandgeschichte, aber da 3/4 der mitgereisten Personen Bandmitglieder waren, könnte diese Story zumindest als eine Art Bandausflug gewertet werden. Anwesende in Papas geborgter Limosine, Steffen und Marko Böhme, Saskia und ich ( Christian ). Marko ist nur zufällig mitgekommen, da eine Reisewillige kurzfristig erkranke, eine weibliche Ersatzperson Namens Tina Friske wurde wegen der anhaltenten Flächenbewölkung überredet, in Weissenfels zu bleiben. Sie sollte es bitter bereuen.... Deutschland wartet 1999 gespannt auf ein Naturschauspiel, die Sonnenfinsternis, hier kurz "Sofi" genannt. Und da dieses Ereignis völlig kostenlos und ohne jeglichem Eintrittsgeld jedem reisewilligem Besucher zur Verfügung gestellt wurde, wollten auch alle dort hin - zum Kernschatten !!! 50 km breit und sehr sehr lang. Das Problem, dieses Band lag ganz im Süden Germanys, eine längere Autofahrt lag somit vor uns. Und wie sollte es anders sein wenn viele irgendwohinströmen, wird es eng, sehr eng. Somit begann unsere Reise mit einem Megastau bei Hof/Bayern.

Ein mitgenommener Esbitkocher wurde kurzerhand als Kaffeemaschine umgebaut, die Fahrbahn sorgte für sicheren Stand desselbigen Gerätes. Ich kann nicht verleugnen, dass wir einer Mercedes S-Klasse Besatzung schadensfrohe Blicke zuwarfen, schliesslich waren Sie mit Hofer Kennzeichen gerade 300 Meter weit gekommen. Wer fährt bei Stau auch auf die Autostrada ?

Nach 1 1/2 Stunden gings dann weiter Richtung Karlsruhe. Fast ohne Unterbrechung kamen wir bis nach Baden-Württemberg, nur die zunehmende Dämmerung bereitete uns Sorgen. Schliesslich wollten wir noch unser Zelt aufbauen und einen geeigneten Platz dafür finden und dies macht sich im hellem nunmal am Besten. Steffen schlug vor, wir sollten nach Maximiliansau fahren, das klingt schön doof und dort wird es wohl auch einen geeigneten Schwarzzeltplatz geben. Wenn schon kostenlos, dann richtig !

Nun war es richtig dunkel und kein Feldweg in Sicht der auch nur ansatzweise zum Abbiegen geeignet war. Vielleicht lag es daran, dass wir immer noch auf der Autobahn fuhren und Feldwege da eher selten sind. Marko wurde zunehmend nervöser und ningelte schon seit 1 Stunde in seinen nicht vorhandenen Bart. Wir schlugen vor die nächste Abfahrt zu nehmen. Und da beginnt mein Problem, denn ich kann mich nicht im geringsten daran erinnern, wie wir plötzlich zum Werkstor I von Mercedes Benz kamen. Auch die zweite versuchte Abfahrt brachte keinen Erfolg, Mercedes Benz Tor II. Es folgte noch die Abfahrt Stadtwerke Stuttgart und ein paar nicht erwähnenswerte weitere. Da es zum Bildungsstandard gehört dass Maximiliansau bei Karsruhe liegt und nicht bei Stuttgart, ich aber keine Erklärung abgeben kann wie wir letztendlich doch dorthingelangten, schliesse ich diesen Absatz mit den Worten, wir sind in ein Zeitloch gefallen !!!

Ein schöner Feldweg lud zum abbiegen ein, doch was war das ??? Geheimnisvolle Lichter waren da zu sehen...war es der Förster des Waldes nur in Erwartung vieler Schwarzzelter und Waldverschmutzer, Feldkacker und Altreifenentsorger ? Um unschuldigen Sonnenfinsternisbetrachtern, trotz Anstrengungen eine legale Unterkunft zu finden, ein saftiges Bußgeld aufzubürden, um seine eigene deslolate Haushaltskasse aufzubessern. Nein ! Es waren einfach schon Leute vor uns auf die Idee gekommen dort aufzuschlagen, und ihr Grill zauberte dieses gemütliche Schlummerlicht. Die Frage ob wir uns hier im Kernschatten befinden würden, wurde mit "Ja morgen schon !" beantwortet. Wir parkten ein paar Meter weiter am Rande einer kleinen Waldlichtung.

Das Zelt stellten wir auf genau den Platz, wo sich seit der letzten Eiszeit ein riesiger Findling unter der Oberfläche befand, denn kein Hering wollte auch nur 5 cm in den Boden verschwinden. Aber ein Igluzelt fliegt nicht weg wenn man darin schläft, und so sahen wir von weiterer Anstrengung ab. Später kochten wir noch Tüten oder Beutelsuppe (je nachdem woher der werte Leser stammt ) die mir Steffen dann beim Einschenken noch über meine Hand schüttete, vielen Dank nochmals von hier aus. Auch einige längst überfälligen Biere strömten in die durstigen Kehlen. Schlafen !!!

Aufwachen !!! Reissverschluss aufschieben, verquollene Augen zur Lage peilen nach draussen halten. Und...dummes Gesicht machen, denn Deutschland war wieder einmal komplett zugewölkt oder bedeckt wie es der Meteorologe sagt. Das hiess evtl. dass seltene Ereigniss doch nur schemenhaft zu beobachten. Keinen Brillantreif sehen, schrecklich ! Wir mussten etwas unternehmen. Ein Anruf vom Chefoptimisten Rene Nitz unterbrach unsere gedrückte Stimmung. Er sei wohl in Weimar und es wäre bedeckt, aber es reisst wohl gleich auf. Jaja, wären wir doch nur in Weimar geblieben, oder besser noch, hätten wir statt Saskia lieber Rene mitgenommen, so wären wir jetzt wolkenfrei. Sorry Saskia !

Wir steckten eine Fackel in den Boden (dort wo der Findling zu Ende war) und tanzten den Sonnentanz. Wer jetzt nicht weiss was das ist, dem sollte gesagt sein, wir wussten es auch nicht, aber es hat geholfen ! Pünktlich zur Mittagszeit wurde es zunehmend wolkenfreier. 11.13 Uhr berührte der Mond die Sonne. Hier wieder der völlig abgelatschte Witz : Gut dass an diesem tag Vollmond war, sonst wäre es keine total Finsternis gewesen, hahaha. Wenn man nicht dabei war kann man kaum die nächste Stunde beschreiben, es wurde immer dämmriger und vor allem ruhiger. Die Vögel verstummten immer mehr und die Farben der Umgebung wurden immer blasser. Steffen übrigens auch, denn der hatte am Vorabend zuviel getrunken. Die mitgebrachte Fotoausrüstung wurde aufgebaut un fleissig geknipst. Wenn es damals schon bezahlbare Digitalfotografie gegeben hätte, wäre ich gleich darauf hingewiesen worden, dass die Bilder scheisse geworden sind. So musste ich auf meine Enttäuschung noch ein paar Tage warten. Mit Saskias einfacher Canon Autofokus Kamera haben wir übrigens die besten Beweisfotos gemacht.

Es war wohl der Sonnentanz der uns tatsächlich den absolut freien Himmel bescherte, als um 12.34 Uhr der Mond die Sonne komplett bedeckte. Ein herrlicher Brillantreif war zu sehen, und ich hätte es nie geglaubt, es war stockdunkel, als wäre es tiefste mondlose Nacht. Geil ! Hierbei sei erwähnt dass ich es genial finde, dass der Mond exakt "in" unsere Sonne passt. Wäre er kleiner oder würde er nur ein paar tausend Kilometer weiter weg seine Bahnen drehen würden wir nur einen dunklen Popel durch die helle Sonnen wandern sehen. Wer hat sich dass bloss ausgedacht ? Der Spuk dauerte bekanntlich nur 3 Minuten, aber diese werden wir wohl ewig in Erinnerung behalten.

Ewig wird wohl auch die Abreise in unseren Köpfen bleiben, denn jetzt folgte ein Martirium der Extraklasse. Sämtliche tausende Zuschauer wollten mit ihren Karren die wenigen Strassen verstopfen die da vorhanden waren. Ich weiss nicht mehr wie lange wir dort für ein paar Kilometer Landstrasse gebraucht haben, aber 17 Uhr haben wir jedenfalls eine Pizzaria überfallen und da waren wir noch nicht weit weg von Maximiliansau. Nach 1 1/2 Stunden Mampf waren die Strassen kaum noch verstopft und wir konnten den Heimweg antreten. Die nächste totale Sonnenfinsternis in Deutschland ist übrigens am 3.September 2081 wieder im Dreiländerdreieck nähe Basel. Mit dem Auto fahren brauchen wir dann zum Glück nicht mehr, da haben Sie uns schon längst den Führerschein abgenommen :-)

 
< zurück   weiter >
 
© 2012 Absolut - die Musikgoetter
Joomla! is Free Software released under the GNU/GPL License.